Gedanken zur Nassrasur und längst vergessenen Zeiten

In diesem Beitrag geht es um die Nassrasur, die Nassrasur wie sie mein Opa und mein Uropa betrieben haben. Ausserdem erzähle ich euch, wie ich dazugekommen bin.

Jeder dürfte sie schon mal gesehen haben in Filmen, auf Flohmärkten oder wie ich noch bei meinem Opa, das Rasiermesser oder die Rasierhobel aus leider längst vergessenen Zeiten.

Aber wieso rasiert man sich heutzutage eigentlich nur noch mit einem Systemrasierer? Sind diese überhaupt gründlicher, als das Werkzeug was früher benutzt wurde, sprich Rasierhobel und Rasiermesser? Wieso muss die Rasur immer nur nötiges Übel sein?

Zu den ersten Punkten kann ich euch sagen:

Es gibt wirklich nichts gründlicheres als eine Messer bzw. Hobelrasur, es dauert kurze Zeit bis man den Dreh raus hat aber dann will man die Schmuckstücke nicht mehr missen.

Mich hatte das Fieber im Urlaub gepackt, dort war ich beim Friseur und habe mir das komplette Paket mit Rasur gegönnt.

Der  Friseur benutze dabei aber kein normales Rasiermesser sondern einen heutzutage weitverbreiteten Abklatsch davon, eine Shavette (Rasiermesser mit Wechselklingen).

Das Gefühl während und nach der Rasur war unbeschreiblich, einfach toll…soooo pflegend, angenehm, gründlich und so langanhaltend glatt.

Kaum war ich wieder zuhause angekommen, habe ich mich mit dem Thema Nassrasur richtig auseinandergesetzt, und kam zum Ergebnis das die Rasur heutzutage eigentlich nur noch nötiges Übel ist und nicht mehr wirklich zelebriert wird, obwohl es doch ein so ein tolles Gefühl sein kann.

Vorausgesetzt man nutzt keine Systemrasierer die nach jedem zweiten Zug verstopfen, deren Klingen sowas von schnell stumpf werden und dann noch dazu 20€ kosten. Da vergeht einem die Lust an der Rasur.

Also musste etwas anderes her als ein Mach3, oder wie sie nicht alle heißen, kurz darauf hab ich mir eine Shavette, einen Pinsel und den Rasierseifenstick von Palmolive besorgt. Ich dachte mir probieren kann mans ja mal…

Ich hatte mich ein paar Wochen mit der Shavette rasiert und lernte schnell das aufdrücken keine so gute Idee ist und es wesentlich gründlicher geht als mit dem Systemrasierer.

Durch Zufall bin ich im Internet über richtige Rasiermesser gestoßen, die mir keine Ruhe mehr gelassen haben, also habe ich mich darüber näher informiert und es dauerte nicht lange bis ich mir mein erstes richtiges rasurscharfes Rasiermesser und einen Lederriemen bestellt hatte im Glauben das ich damit auch Geld spare denn Rasiermesser sind eine einmalige Investition (außer man will wie ich immer mehr haben), Hobelklingen kosten einen Bruchteil von Systemklingen.

Den Lederriemen braucht man um das Messer vor der Rasur immer abzuziehen und so den Grat wieder aufzustellen.

Ein antiker Leder Stossriemen und ein neuer Hängeriemen.

Ein antiker Leder Stossriemen und ein neuer Hängeriemen.

Mein erstes Rasiermesser war ein Gold Dollar 66, kein besonderes Messer, sehr günstig aber vor allem wurde es davor geschärft für mich, das ist sehr wichtig denn oftmals werden Rasiermesser mit einer Schärfe von Brieföffnern verkauft und das Schärfen ist für Anfänger ein großer Schritt, da das Equipment dafür nicht gerade günstig ist.
Das Rasiermesser Gold Dollar ist durch die niedrigen Anschaffungskosten und trotzdem guter Qualität das perfekte Anfängermesser.

Mein erstes Rasiermesser, ein Gold Dollar

Mein erstes Rasiermesser, ein Gold Dollar

Als es bei mir endlich ankam konnte ich mich das erste Mal rasieren wie in den alten Zeiten, mit einem richtigen Rasiermesser. Ich schlug den Palmolive Stick mit meinem Borstenpinsel von Balea auf und verteilte den Schaum in meinen Gesicht, anschließend rasierte ich mich mit dem neuen Rasiermesser. Ich sags euch das waren Gefühle die mich durchströmten in diesem Moment, einerseits musste ich daran denken wie die Männer sich damals rasierten und andererseits machte es mich irgendwie wütend und traurig zugleich dass sowas tolles so in Vergessenheit geraten ist….

Die Rasuren waren anfangs nicht 100%ig gründlich aber dennoch nach kurzer Zeit spürte ich das gleiche Gefühl wie nach der Shavetterasur, wooooow ist das glatt und vor allem auch am nächsten Tag war meine Haut noch nicht wieder komplett verstoppelt.

Ab diesem Moment konnte ich es nicht mehr abwarten mich wieder zu rasieren, es war so ein tolles Ritual was ich immer wieder zelebrierte und jedes Mal war es das reinste Wellness- und Wohlfühlgefühl…
Doch es ist nicht nur alles positiv an der traditionellen Nassrasur, zb leidet jeder der es ausprobiert sehr schnell an einem “haben will Virus” dieser Virus ist sehr heimtückisch und zwingt einen förmlichst immer mehr für die Nassrasur zu kaufen 😉

Ich schaute mich immer wieder auf Ebay und Flohmärkten um nach neuen Equipment für die Nassrasur, Pinsel, Rasiermesser, Rasierhobel alles wollte ich haben, doch zuerst musste ich mir Schleifsteine kaufen um die gekauften Messer selbst schärfen zu können. (Mehr dazu welche Schleifsteine benötigt werden und welche Möglichkeiten man hat, werde ich in einen anderen Bericht schreiben).

Ich fand schnell einige alte und noch ältere Rasiermesser auf Ebay, die ich nach und nach restauriert und geschärft habe für den Gebrauch. Darunter war auch eine alte Barbierkiste wohl um die 1900.
Das war ein Glücksgriff auf Ebay, ich hatte die Kiste samt Inhalt relativ günstig ersteigert. Damals waren die Kisten mit Spiegel sehr beliebt.

Rasierkiste um die 1900, mein Blognamen habe ich durch sie endeckt.

Rasierkiste um die 1900, meinen Blognamen habe ich durch sie endeckt.

Diese Kiste stammt vom Ende des 19. Jahrhunderts, damals waren solche Rasierkisten sehr beliebt. Ausserdem verdankt mein Blog, seinen Namen dieser Kiste. Ich dachte mir: Diese Kiste samt Inhalt, hat deine Sammlung um einiges bereichert, als Dank, benennst du deinen Blog nach ihr :).

Ist schon der Wahnsinn was man sich für Gedanken über solche Gegenstände macht, wer hatte alles schon in diesen Spiegel geschaut? Wer hat sich mit den Messern rasiert? Was hatte derjenige in den Moment gedacht, als er in den Spiegel sah? Über Probleme nachgedacht oder einfach nur die Rasur genoßen?

Aus genau diesen Grund bevorzuge ich alte Rasiermesser mit Geschichte, hört sich für manche Leute vielleicht unhygienisch an, ist es aber nicht.

Die Messer werden alle als aller erstes desinfiziert, dann gründlich gereinigt und poliert und zu guter letzt noch auf Wassersteinen geschärft.

Und trotz des hohen alters rasiert es besser als der beste Systemrasierer.

 

Mein Uropa hatte laut Aussagen meiner Mutter, mehrere Kisten voll mit Rasierzubehör, darunter hauptsächlich Rasiermesser, Pinsel und paar Schleifsteine.

Leider hat mich nichts von den Schätzen erreicht, wurde alles weggeworfen mit der Zeit, da ja niemand so „olle“ Rasierer benutzt sagte meine Mutter zu mir.

Mein Opa war da schon sparsamer, er benutze nur einen Rasierhobel und Pinsel Zum aufschäumen der Palmolive Rasierseife.

Den Palmolive Seifenstick benutze ich heute auch noch sehr gerne, macht einen super Schaum und kann mit anderen Rasierseifen locker mihalten. Außerdem erinnert er mich bei dem Geruch zusammen mit meinem Hobel immer an meinen Opa.

Meinen ersten Rasierhobel hatte ich auf einem Flohmarkt zusammen mit einem kleinen Etui für nicht mal 10€ ergattert, der Hobel leistet mir bis jetzt noch treue Dienste und wird es noch sehr lange tun.

Die Rasuren mit dem Hobel sind auch sehr gründlich und befindet sich auf gleichem Niveau mit der Messerrasur dennoch nutze ich ihn meistens nur in der Früh wenns mal schnell gehen muss.

Mein erster Hobel vom Flohmarkt in einem schönen Lederetui

Mein erster Hobel vom Flohmarkt in einem schönen Lederetui

Mein persönliches Fazit:

Wer gerne mehr für sich machen würde und die Rasur mal so richtig erleben will mit gründlichen Ergebnissen und vor allem einen richtigen Welnessgefühl, der muss es einfach mal probieren, ich kann und will mir gar nicht vorstellen nochmal Systemrasierer und Dosenschaum nutzen zu müssen.

Mann kann auf Dauer  Geld einsparen wenn man nicht der Sammlerleidenschaft verfällt.

Eure Freundinnen oder Frauen werden euch komisch ansehen, wenn ihr erzählt mit was ihr euch rasiert aber sie werden das glatte und gepflegte Gesicht lieben =) Außerdem hat es schon was sehr starkes, männliches sich mit einem Messer oder Hobel zu rasieren.  

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3 Kommentare zu “Gedanken zur Nassrasur und längst vergessenen Zeiten

  1. Danke für diesen Artikel und ihren Blog.

    Ich kann mit eine Rasur ohne Rasierhobel gar nicht mehr vorstellen. Natürlich, wenn man sich das erste Mal mit einem Rasierhobel rasiert muss man sich umstellen und es wird wohl auch den einen oder andere Schnitt geben. Nach der Eingewöhnungsphase aber, will man nie mehr zu einem Gillette zurückkehren.

    Ich hasse es immer, wenn ich nur nur mit Handgepäck verreise und keine Klingen mitnehmen kann.

    Falls du interessiert bist, ich habe vor kurzem auch über dieses Thema auf meinen Blog einen Artikel zum Thema Rasierhobel publiziert: http://mannbibel.com/wordpress/2015/01/05/1-rasiere-dich-wie-ein-mann-mit-einem-rasierhobel/

    Danke und Gruss
    Ray

  2. Danke für diesen Artikel! Es geht nix über eine ordentliche Nassrasur, meine Freundin war auch von Anfang an begeistert. So eine Rasierkiste sieht echt toll aus, ich glaube ich muss mich demnächst mal auf den Flohmärkten der Umgebung umsehn… Was aber auffält, wenn die Rasierkiste von 1900 ist, ist sie vom Anfang des Zwanzigsten, nicht des Neunzehnten Jahrhunderts. Kannst du ja vielleicht noch verbessern 😉

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